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Mord ohne Motiv
Michael Köhlmeiers Buch „Von den Märchen“

Eine Rezension von Ingrid Bertel (KULTUR)

Warum sind Märchen dermaßen brutal? Warum stört das die Kinder nicht? Und was sagen Märchen über das Erzählen überhaupt aus? Michael Köhlmeier weiß die Antworten.

 In den alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, da saßen vor dem Kamin Großmütter und erzählten den Kindern wundersame Märchen. So behauptet es zumindest die bürgerliche Überlieferung. Michael Köhlmeier hatte das Glück, dass ihm tatsächlich eine Großmutter Märchen erzählte. Vor allem eines, das Märchen vom Herrn Korbes. Das ist zwar nicht so berühmt wie „Dornröschen“ oder „Der Froschkönig“. Gleichwohl stammt es aus der Sammlung der Brüder Grimm, und es ist verstörend und befremdlich:

Hähnchen und Hühnchen spannen vier Mäuschen vor den Wagen und fahren zum Haus des Herrn Korbes. Unterwegs nehmen sie eine Katze mit, ein Ei, eine Ente, eine Nähnadel, eine Stecknadel und zum Schluss einen Mühlstein. Die Tiere und die Dinge verbünden sich miteinander, um den Herrn Korbes zu erschlagen. Einen Grund dafür gibt das Märchen nicht an.

Grausame Märchen wie dieses sind ursprünglich nicht von „Ammen“ erzählt worden. Sie waren Stoff für Männerrunden. Die Erzähler waren Tagelöhner, Hausierer, Handwerker. In den Spinnstuben der weiblichen Landbevölkerung kamen sie nicht zur Sprache, vor Kindern erst recht nicht. Jacob Grimm hat später auch zugegeben, die 1812 erstmals herausgegebenen „Kinder- und Hausmärchen“ seien eigentlich gar nicht für Kinder geschrieben worden. Es ging ihm vielmehr um die Erforschung der „Volksseele“.

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Michael Köhlmeier
Von den Märchen.
Eine lebenslange Liebe
Haymon Verlag
ISBN 3709934230
208 Seiten
€ 20,-

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